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Biodiversität im Weinberg

  • vor 12 Minuten
  • 4 Min. Lesezeit

Text: Peter Schwappach, Fotos: Dr. Gabriele Brendel, Peter Schwappach


Eine Gruppe interessierter Weingeschwister traf sich an den Versuchsflächen der LWG im Thüngersheimer Scharlachgrund, um von Dr. Beate Wende über Maßnahmen zur Biodiversität informiert zu werden.



Wie die Wildlebensraumberaterin der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) Veitshöchheim am Internationalen Tag der Biodiversität erläuterte, wurde bereits seit 2014 begonnen, Maßnahmen zur Förderung der Biodiversität in Weinbergen umzusetzen.


Den Anfang dieser Projekte machte die Anlage von Querterrassen im obersten Teil der LWG-eigenen Fläche im Thüngersheimer Scharlachberg. Auf den bei der Bodenbewegung entstandenen, relativ großen Grünflächen an den Böschungen zeigten sich schnell viele wärmeliebende Pflanzen und Tiere. So hat sich dort etwa die rotflügelige Ödlandschrecke angesiedelt, eine sehr seltene, wärmeliebende Heuschreckenart, die auf der Roten Liste der besonders gefährdeten Tierarten steht.



Ausgehend von dieser Beobachtung begannen danach Planungen, wie die dort beobachtete Artenvielfalt auch in die übrigen Rebflächen der LWG im Scharlachberg übertragen werden könnte. „So entstand nach und nach ein System von linien- und flächenhaften Biotopstrukturen, was zu einer merkbar höheren Artenvielfalt in der, sonst manchmal öden Dauerkultur Rebe führt“, erläuterte Dr. Wende.


Das erste Beispiel war ein Steilhang, der ursprünglich mit Riesling bestockt war. Er wurde wegen des Klimawandels gerodet, weil sich in der wärmebegünstigten Lage zu viele Phenole gebildet hatten, die sich mit negativen Aromen im Wein ausgewirkt haben. Nun entwickelt sich dort eine Brache, auf der viele Wildpflanzen wachsen und blühen.


Im Grünstreifen neben dem Fahrweg wies die Biologin auf den dort wild wachsenden Dost, den „deutschen Majoran“ hin. Dr. Wende empfahl, solche Grünstreifen maximal zweimal jährlich zu mulchen und am besten den Aufwuchs abzufahren. Durch den damit verhinderten Nährstoffeintrag wird das Wachstum von Gräsern verhindert, und es können sich Kräuter und Blühpflanzen wie der wilde Dost leichter durchsetzen. Diese extensive Wegrandpflege dient zudem auch der Vernetzung von Biotopen.


Oberhalb der Steillage hatte die Gruppe einen guten Blick auf die am gegenüberliegenden Nordhang gepflanzte Trüffelplantage. Vor rund zwölf Jahren wurden dort Eichen, Hainbuchen und Haselnusssträucher gepflanzt, die zuvor an den Wurzeln mit Trüffelpilzen geimpft worden waren. Es zeigte sich: vor allem im Steilhang müssen die Pflanzen bewässert werden, damit die Trüffel gut wachsen können.

Inzwischen haben sich dort Haselsträucher und Hainbuchen durchgesetzt. Ein speziell ausgebildeter Trüffelhund wird mittlerweile regelmäßig durch die Plantage geschickt und hat dem Versuchsbetrieb der LWG schon mehrfach eine ansehnliche Ernte des schwarzen Trüffels beschert.


Mandel
Mandel

Olive
Olive

Auf zwei ganz neue Alternativ-Kulturen machte Dr. Wende auf halber Strecke aufmerksam: Was auf den ersten Blick als neu angelegter Weinberg aussah, entpuppte sich bei näherem Hinsehen als Pflanzung von Mandeln und Oliven. Um zu prüfen, ob sie eine Alternative für Reben sein können, wurden sie dort inmitten von Reben auch in Spalierform mit Drahtrahmen angelegt. Beide Baumarten haben aber eigene Probleme: während bei Oliven Spätfröste die Pflanzen schädigen und Erträge massiv mindern können, ist es bei Mandeln der relativ hohe Wasserbedarf. Nur wenn sie viel Wasser zur Verfügung haben, können Erträge erzielt werden, die für einen wirtschaftlich erfolgreichen Anbau erforderlich sind. Bei beiden Kulturen ist natürlich wichtig, den Vorzug des regionalen Anbaus in der Vermarktung zu betonen. Beate Wende wies darauf hin, dass die heimische Kornelkirsche wesentlich besser an fränkisches Klima angepasst ist als etwa die Olive. Deren schwarzen Früchte mit dem großen Stein könnten aber genauso eingelegt werden wie Oliven.


 Einen weiteren Stopp gab es bei den Versuchen zur Reifeverzögerung von Reben. Durch den Klimawandel ist die Lesereife nach vorn gerutscht, teilweise bis zu drei Wochen. Deshalb wurden hier einige Versuche angelegt, mit denen die Ernte durch eine spätere Reife hinausgezögert werden kann.

Sehr aussichtsreich ist etwa eine Auxin Behandlung. Das ist ein natürliches Pflanzenhormon zur Pflanzenstreckung. Es fördert das Längenwachstum in der Pflanze und bremst die Blütenbildung bis zu 14 Tage. Dazu wird es zweimal appliziert. Derzeit wird noch der optimale Zeitpunkt der Applikationen geprüft.

Alternativ wird in benachbarten Rebzeilen die Laubwand gekürzt. Die Idee ist, dass eine halbe Laubwand mit 60 cm anstelle 120 cm Höhe weniger Photosynthese ermöglicht und so die Reife verzögert.

Außerdem wird auch die Begrünung in Brachflächen untersucht. Um in den Genuss von staatlichen Fördermitteln zu kommen, ist eine spezielle Saatgutmischung vorgeschrieben, die sehr teuer ist und ggf. nachgesät werden muss. Auf den LWG-Flächen werden diverse andere Mischungen geprüft.


Der letzte Stopp wurde am Unterlagenprüffeld der LWG eingelegt. Dort wird die Verträglichkeit von verschiedenen Unterlagsrebsorten für Trockenheit geprüft. Neben den in Franken weit verbreiteten Unterlagen SO4 und 5BB wurde hier, jeweils die gleiche Ertragssorte Silvaner auf die neuen Unterlagen 110 Richter und 1103 Paulsen gepfropft. Erste Ergebnisse sind zwar vielversprechend. Ein eindeutiges Ergebnis kann bei der Dauerkultur Rebe jedoch erst nach 5-10 Jahren getroffen werden.



Der Rundgang endete am Terroir-f-Punkt der LWG, dem Vinomax. Dort erwarteten die Teilnehmer nicht nur ein toller Blick ins Maintal, sondern auch kühle Getränke. Dr. Wende bot eine Palette von LWG-Weinen an, mit der die Instituts-eigene Qualitätspyramide repräsentiert wird.


Angeboten wurden aus der Linie „NEW“ ein frischer Sauvignon Blanc, aus der Linie „Tradition“ ein im Barriquefass gereifter Silvaner von 2020 sowie ein im Betonei gelagerter, spontan vergorener Silvaner der „Explore“-Linie. Nicht nur die leckeren Weine, sondern auch die Fülle der zuvor gehörten Informationen sorgten im Anschluss für angeregte Gespräche unter den Teilnehmern.


Bruderschaftsmeister Peter Schwappach bedankte sich bei der Biodiversitäts-Expertin Wende für ihre fachkundigen Erläuterungen und geballten Informationen.

Und auch Weinbruder Edmund Haas kommentierte den Rundgang: „Das sollte eigentlich ein Pflichttermin für die Weingeschwister sein!“



 
 
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