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GDW-Treffen in Graubünden

  • vor 23 Minuten
  • 7 Min. Lesezeit

Text: Peter Schwappach, Fotos: Peter Schwappach, Peter Doneis


Beim Treffen der Gemeinschaft Deutschsprachiger Weinbruderschaften (GDW) im Schweizer Weinort Maienfeld im „Heidiland“ (Kanton Graubünden), trafen sich Mitte Juni gut 120 Wein­schwestern und -brüder zu einem freundschaftlichen Austausch. Dank der hervor­ragenden Organisation des Teams rund um Hans-Jakob Hunger und Benny Fopp von den Weinfreunden Graubünden konnten die von 21 Weinbruderschaften gekom­menen Teilnehmer viel über den Weinbau und die schöne Landschaft im Kanton Graubünden erfahren. Natürlich hatten sie auch ausgiebig Gelegenheit, die Produkte der ortsansässigen Weingüter zu verkosten und dabei Kontakte mit den Weingeschwistern der anderen Bruderschaften und Weinorden zu pflegen.

Die Weinbruderschaft Franken war mit einer stattlichen Delegation von insgesamt zwölf Teilnehmern vertreten. Die fränkische Gruppe bestand aus den Bruderräten Friedhelm Alt, Andreas Bauer, Peter Doneis, Steffen Röschert, Weinbruder Bernd Amling und Bruderschaftsmeister Peter Schwappach. Sie waren alle mit ihren Frauen angereist.


Freitag, 12. Juni

Begrüßungsband auf Schloss Wartenstein

Der Begrüßungsabend fand in luftiger Höhe oberhalb von Bad Ragaz auf Schloss Wartenstein statt. In dem ehemaligen Hotel, auf der gegenüber Maienfeld gelegenen, linken Rheinseite trafen sich die Weingeschwister zum Eröffnungs-abend des GDW-Treffens. Dank der am Abend noch relativ milden Temperaturen konnten die Teilnehmer von der Schloss-Terrasse einen wunderbaren Blick über das Rheintal genießen, in dem ihnen zu Füßen der Kurort Bad Ragaz auf der linken und Maienfeld auf der rechten Rheinseite lagen.

Traditionell hatten dazu alle Weinbruderschaften im Vorfeld einige Weine aus ihren Herkunftsgebieten mitgebracht. Deshalb gab es die besondere Gelegen-heit, eine riesige Palette an leckeren Weinen zu verkosten. Sowohl große Ries-linge von der Mosel, diverse Weiß- und Grauburgunder aus der Pfalz und Rheinhessen, Grüne Veltliner aus dem Kremstal oder etwa ein Rotwein von Weingut Huber aus dem badischen Malterdingen waren neben unserem Bocksbeutel vom Juliusspital zu finden.

Aber auch die Schweizer Freunde präsentierten an diesem Abend schon eine ansehnliche Auswahl von Weinen aus der Bündner Herrschaft. In deren Weinbergen dominiert der Pinot Noir mit ca. 70 Prozent.

Aus Franken hatten wir neben einem klassischen Silvaner auch den Siegerwein des letztjährigen Winzer-Ehrenpreis, den Spätburgunder vom Weingut Schwab dabei. Es zeigte sich, dass der den Vergleich, sowohl mit den badischen Spätburgundern, als auch den Pinots aus Graubünden nicht scheuen muss. Nicht nur fränkische Weinbrüder attestierten dem Rotwein eine hervorragende Qualität!

 

Samstag, 13. Juni

Delegiertenkonferenz Maienfeld

Zu Beginn der Delegiertenkonferenz am Samstag Vormittag informierte der Bürger­meister von Maienfeld im Alten Rathaus über das Gebiet, in das wir gereist waren. Die Gemeinde Maienfeld gehört zur Bündner Herrschaft. Diese umfasst außerdem noch die Ortschaften Fläsch, Jenins und Malans. Im Unterschied zu den Seitentälern im Kanton Graubünden gibt es nach seiner Aussage hier noch Zuwanderung, also einen Bevölkerungszuwachs.

Die Bündner Herrschaft ist die außerdem Heimat von Heidi, der Heldin im berühmten Kinderbuch von Johanna Spyri. Wie uns der Bürgermeister informierte, wird der 1880 erstmals erschienene Roman derzeit erneut verfilmt.  


In den Weinbergen der Bündner Herrschaft ist der Spätburgunder mit 70% die Haupt­rebsorte. Im Gegensatz zu anderen Wein­baugebieten der Schweiz umfasst die Reb­fläche jedoch nur knapp 500 ha. Entspre­chend gesucht sind die Grau-bündner Weine - und damit kein Schnäppchen. Angesichts der geringen Menge verlässt fast keine Flasche die Eidgenossenschaft. Deshalb sind die Weine außerhalb der Schweiz weit­gehend unbekannt.

Von der Weinbruderschaft Franken waren neben dem Bruderschaftsmeis-ter Peter Schwappach, der auch Mit-glied des GDW-Vertrauensrat ist, die Bruderräte Friedhelm Alt, Peter Doneis und Steffen Röschert als Delegierte vertreten.


Oliver Stieß
Oliver Stieß

GDW-Präsident Oliver Stieß gab gleich zu Beginn der Konferenz bekannt, aus Alters-gründen nicht mehr zur Wahl anzutreten. Stattdessen stellte sich Gabi Meter-Lehnen von der WBS Mosel-Saar-Ruwer zur Wahl. Sie war bereits für eine Wahlperiode als Beauftragte für Öffentlichkeitsarbeit und moderne Medien für die GDW aktiv. Stieß gab auch einen kurzen Rückblick über seine Tätigkeit für die GDW. Er war zunächst elf Jahre Schatzmeister und anschließend acht Jahre lang Vorsitzen-der der GDW.


Folgende Mitglieder des Vorstands stellten sich der Wahl:

Gabi Meter-Lehnen
Gabi Meter-Lehnen

- Gabi Meter-Lehnen, Präsidentin (Weinbruderschaft Mosel-Saar-Ruwer)

- Bettina Siée, 2. Vorsitzende (Weinbruderschaft Rheinhessen)

- Michael Landgraf, Geschäftsführer (Weinbruderschaft der Pfalz)

- Margit Klein-Forster, Schatzmeisterin (Weinorden an der Nahe).

Sie alle wurden von den Delegierten einstimmig gewählt.

Die GDW hat 42 Weinbruderschaften (WBS) mit rund 5.000 Mitgliedern. Von den insge­samt 42 Mitglieds-Bruderschaften waren 21 zum GDW-Treffen in die Schweiz gekommen.

Am Ende der Delegiertenkonferenz gab Oliver Stieß, zugleich auch noch Bruderschafts­meister der Weinbruderschaft der Pfalz, bekannt: Das nächste GDW-Treffen wird 2028 in der Pfalz in Neustadt/Weinstraße stattfinden. Das möchte er noch organisieren, bevor er auch dort den Vorsitz abgibt. Der Termin wird fürs Fronleichnams-Wochenende geplant (16.-18.06.2028).

 


Weingut Heidelberg, Maienfeld

Im Anschluss an die Delegiertenkonferenz gab es eine kleine Wanderung durch die Bündner Herrschaft. Aufgeteilt in vier Gruppen besuchte jede Gruppe zwei Weinorte im Graubündner Weinbaugebiet.

Bei sommerllichen Temperaturen erreichten die fränkischen Weinbrüder unter fachkundiger Leitung von Benny Fopp nach einem kurzen Weg das Weingut Heidelberg. Der Betrieb der Familie Lampert liegt am oberen Rand von Maien-feld auf ca. 500 m Höhe, direkt unterhalb des mächtigen Falknis, einem Bergmassiv mit 2.570 m Höhe.



Im Schatten einer Weinlaube machten die Weingeschwister zunächst „Wimmler Zmittag“, das typische Essen der Wein-bergsarbeiter. Es ist eine deftige Graupensuppe mit Kartoffeln und Wursteinlage, die vom Betriebsleiter Thomas Lampert und seiner Mutter serviert wurde. Dazu bzw. im Anschluss wurden folgende Weine ausgeschenkt:

- Incognito Spätburgunder Blanc de Noir (20 €), typisch, saftig, leicht rosa Reflexe

- Floral Blütenmuskateller 2024 (20 €), liebliche Piwisorte, sehr aromatisch.

- Walser Pinot Noir Lagenselektion 2023 (27 €), sehr schöner Duft

- Badrus Pinot Noir Einzellagen 2023 (34 €), beeindruckend, gehaltvoll.

Das Wort Badrus ist rätoromanisch und heißt „steinig“, weil die Reben auf einer Moräne am Fuße des Falknis mit sehr steinigem Boden stehen.


Roland Lampert
Roland Lampert

Der Betrieb verfügt über sechs Hektar Rebfläche. Sie werden nach biologischen Richtlinien bewirtschaf-tet und die Weine komplett selbst vermarktet. Die Weinberge liegen zwischen 500-600 m über frm Meer. Dabei erreichen sie Erträge von 40-60 hl/ha, die unter der gesetzlichen Grenze von 90 kg/ar (= 67,5 hl/ha) liegen. Der Preis für Rebland liegt bei 60 SFr/m². Der Betriebsleiter informierte, dass der Weinbau im Rheintal ursprünglich von den Römern hierhergebracht wurde.

Sehr kreativ war auch eine Vermarktungsidee des Weinguts: so können die Männer bei einem Toilet-tenbesuch in aller Ruhe das Weinsortiment des Betriebs studieren und ggf. anschließend käuflich erwerben.

 



Weinberge von Flesch
Weinberge von Flesch

Weingut Marugg, Flesch

Mit einem kurzen Bustransfer wurden die fränkischen Weinbrüder ins Nachbardorf Flesch gefahren. In dem malerisch gele­genen Ort mit vielen verwinkelten Gassen gibt es noch 27 Weinbaube­triebe, von denen immerhin 13 Winzer selbst vermarkten.

Johann Marugg
Johann Marugg

Es gibt rund 800 mm Nieder­schlag im Jahr, was für eine Gegend direkt am Alpenrand relativ wenig ist. Deshalb wird auch immer wieder über Beregnung der Reb- und Obstanlagen nachgedacht. Als Folge des Klimawandels zeigen sich auch hier zunehmend Perioden mit Sommertrockenheit.

In Flesch gab es 1966 eine „Meliora­tion der Reb-berge“, vulgo: -Weinbergs-Flurbereinigung. Ihr Ziel war, für die vorhandenen Betriebe ein ratio-nelles Arbeiten zu ermöglichen. Im Rahmen dieser Flächenneuord­nung wurde die mittlere Rebfläche von 3,5 ar auf 60 ar vergrößert. So wurden insgesamt 30 ha Weinberge neu ange-legt. Unser Führer betonte vor allem, dass der Boden auf sehr klüftigem Gestein von Schieferverwitterung steht. Deshalb müssen die Reben bisher nicht bewässert werden.

Anschließend konnte im Schatten einer Kelterhalle eine große Palette an einhei-mischen Weinen aus Flesch verkostet werden, sowohl rote als auch weiße Weine. Darunter war auch ein Completer, eine weiße autochthone Sorte aus Graubünden.

    

 













Festabend im Schloss von Maienfeld

Musikalischer Empfang am Schlossplatz von Maienfeld
Musikalischer Empfang am Schlossplatz von Maienfeld

Zum großen Festabend der GDW luden die Graubündner Weinfreunde ins Schloss Maienfeld ein. Der Begrüßungs­sekt wurde erst noch im Schlosshof eingenommen. Dort warteten bereits drei Alphornbläser. Sie empfingen die Gäste mit etlichen, typisch Schweizer Musikstücken.

Als Ehrengast konnte der Organisator Hans-Jakob Hunger zudem den Regie-rungspräsident Martin Bühler vom Kanton Graubünden begrüßen. Der Politiker von der schweizerischen FDP nahm sich trotz des aktuell laufenden Wahl­kampfs Zeit für ein Grußwort. Just am Wochenende des GDW-Treffens fand nämlich die Abstimmung über die 10-Millionengrenze in der Zuwanderung statt. Diese wurde sowohl von ihm als auch mehrheitlich von den Schweizern abgelehnt.

Die Delegation der Weinbruderschaft Franken
Die Delegation der Weinbruderschaft Franken







Im Rahmen des festlichen Abendessens, bei dem erneut einige Graubündner Rot- und Weißweine ausgeschenkt wurden, fand auch die feierliche Übergabe des Thyrsos-Stabs statt. Dabei reichten die Weinfreunde Graubünden den Stab an die Veranstalter des nächsten GDW-Treffens, die Weinbruderschaft der Pfalz weiter.

Übergabe des Thyrsos-Stabs
Übergabe des Thyrsos-Stabs

 


Sonntag, 14. Juni

Weingut Eichholz, Jenins

Am Sonntagmorgen trafen sich die Weingeschwister zum Abschluss sowie Fest-gottesdienst im Weingut Eichholz, etwas außerhalb von Jenins inmitten von Weinbergen gelegen. Der Betrieb wird von Johannes Hunger, dem Sohn von Hans-Jakob Hunger sowie seiner Frau Irene bewirtschaftet.


Gottesdienst im Weingut Eichholz
Gottesdienst im Weingut Eichholz

Auf einer Wiese neben dem Weingut, im Schatten von zwei ausladenden Walnussbäumen, nahm die Festgemeinde an Tischen Platz und wurde dort sogleich mit Wein und Sekt aus dem Weingut sowie hausgemachter Holunderblütenschorle begrüßt.


Weinbruder Felix Indermaur, Theologe und Winzer
Weinbruder Felix Indermaur, Theologe und Winzer

Pfarrer Felix Indermaur von der Weinbruder-schaft St. Gallen, nach eigener Aussage auch Winzer und "Rebschulist“ hatte für seinen Gottesdienst von den 236 Stellen der Bibel, die einen Bezug zu Reben und Wein haben, zwei ausgesucht und in den Gottesdienst eingebaut.

So wies er unter anderem darauf hin, dass schon im Alten Testament von Noah berichtet wird, dass er einen Rausch hatte.

Er informierte die Festgemeinde zudem, dass schon in den Aufzeichnungen des römischen Agrarschriftstellers Lucius Junius Moderatus Columella (gest.: 70 n. Chr.) bereits detaillierte Beschreibungen über den Weinbau im Mittel-meerraum zu finden seien. Mit dieser, zur Ent-stehungszeit des Johannes-Evangeliums bereits bekannten Information über die Pflege von Weinreben erklärte der Weinmagis-ter und Theologe Indermaur dann das Bibel-Zitat: „Ich bin der Weinstock und Ihr seid die Reben“: Demnach handelt es sich um einen Vergleich mit der Beschrei-bung einer vegetativen Vermehrung von Weinreben.

Bemerkenswert war zudem die letzte Fürbitte des spätberufenen Theologen Indermaur: „Lass uns die Kirchtürme weniger hoch und dafür die Weinflaschen etwas größer machen!“ Seiner, in kehligem schwiezerdütsch vorgetragenen Bitte konnten sich alle Weingeschwister anschließen.


Gabi Meter-Lehnen dankt den Organisatoren Benny Fopp (li.) und Hans-Jakob Hunger (re.)
Gabi Meter-Lehnen dankt den Organisatoren Benny Fopp (li.) und Hans-Jakob Hunger (re.)

Die neugewählte GDW-Präsidentin Gabi Meter-Lehnen bedankte sich am Ende des Treffens ausdrücklich bei den Hauptorganisatoren der Veranstaltung: „Ihr habt Euch unheimlich rein­gehängt und mit viel Liebe eine tolle Veranstal­tung auf die Beine gestellt,“ lobte sie Hans-Jakob Hunger und Benny Fopp.

Natürlich sprach sie an alle Weingeschwister eine herzliche Einladung zum nächsten GDW-Treffen in zwei Jahren aus. Das wird 2028 von der Pfälzer Wein-bruderschaft in Neustadt/Weinstraße ausgerichtet.

Gestärkt mit einer typisch Bündner Jause (Rührei und Schweizer Rösti) traten die Gäste schließlich wieder ihren Heimweg an.


Barriquekeller im Weingut Eichholz
Barriquekeller im Weingut Eichholz



 
 
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