WEINGUT ROTH IN WIESENBRONN

TEXT & FOTO / DR. DIETER WEBER



Als Gerhard Roth 1985 der Weinbruderschaft beitrat, blickten viele gespannt auf den Winzer vom Fuße des Schwanbergs. Er galt in manchen Kreisen als „junger Wilder“, der den Weinbau komplett umkrempeln wollte und „zu faul zum Spritzen“ war. Tatsächlich war er aber ein Pionier des biologischen Weinbaus, der wissbegierig, zielstrebig und standfest seinen Weg ging. Eine Allergie gegen chemische Spritzmittel veranlasste ihn bereits in jungen Jahren dazu, neue Formen des Pflanzenschutzes zu suchen. In einem jahrzehntelangen Prozess formte er – unbeirrt von mancherlei Rückschlägen – sein Konzept: Arten-Diversität zur Gesunderhaltung der Böden, Verzicht auf Mineral- und Kunstdünger, Verzicht auf Bewässerung der Weinberge, Verwendung ausschließlich natürlicher Hefen beim Ausbau, kein Entsäuern und keine Maische-Erhitzung. Die Mitarbeiter kommen aus dem Nahbereich, Wiesenbronner Eichen (Einschlag nach Mondphasen) verarbeitet Küfer Assmann für die Holzfässer. Der Erfolg gab Gerhard Roth Recht, sein VDP-Weingut zählt heute zu den führenden Bio-Betrieben Deutschlands, ist zudem Mitglied im Naturland-Verband. Zahlreiche renommierte Winzer lernten beim national und international bestens vernetzten Wiesenbronner Rotweinspezialisten ihr Handwerk. Aus anfangs knapp 1 ha sind inzwischen stattliche 25 ha Anbaufläche geworden, mit bekanntten Wiesenbronner Lagen wie Heller Berg, Geißberg, Wachhügel sowie dem Küchenmeister in Rödelsee.


Wirken in der Weinbruderschaft und Entwicklung des Betriebs


Als Weinbruder engagierte sich Gerhard Roth von Anfang an bei fachlichen Weinproben, begleitete mit seinen Weinen Festabende und die Reihe „Essen und Wein“. Ferner veranstaltete er in seinem Weingut wiederholt für die Weinbruderschaft Kellerführungen und Verkostungen. Besonders eindrucksvoll geschah dies beim Deutschsprachigen Weinbruderschaftstreffen 2010. Nach der sog. Wende übernahm er in den 90er Jahren im sächsischen Weingut Hoflößnitz/Radebeul – neben dem eigenen Betrieb – die Geschäftsführung und machte daraus ein modernes Bio-Weingut. Davon konnten sich die Weinbrüder bei einer Exkursion nach Dresden und Radebeul überzeugen. Überdies ist Gerhard Roth seit Jahren ein aufmerksamer und zuverlässiger Kassenprüfer. Zu Recht erhielt er 2009 die Ehrenmedaille der Weinbruderschaft.

Seine beiden Töchter Kerstin Büttner und Nicole Roth gewann Gerhard im letzten Jahr als erste weibliche Mitglieder für die Weinbruderschaft, ebenso unsere neue stellvertretende Vorsitzende MdL Barbara Becker.

Gemeinsam mit ihrem Vater leitet inzwischen Nicole Roth das Weingut. Als Geisenheim-Absolventin mit Önologie-Diplom und internationaler beruflicher Erfahrung bietet sie dafür beste Voraussetzungen: Einige Jahre arbeitete sie in einer Agentur für Essen und Wein; u.a. war sie dabei Projektleiterin für die Fernsehsendung „Alfredissimo“ mit Alfred Biolek, wozu auch die Herausgabe von Kochbüchern gehörte. Dann übernahm Nicole in Kalifornien Aufgaben im Weinmarketing und später war sie in der Sektkellerei „Söhnlein“ für das USA-Marketing verantwortlich. Aus voller Überzeugung führt Nicole Roth den biologischen Weinbau im Sinne ihres Vaters fort, denn „man muss das Rad nicht immer neu erfinden, wenn sich ein Konzept bewährt hat“. Unterstützt wird sie von einem engagierten jungen Team um Kellermeister Andreas Hopfengart.



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